Stalking - was ist das?
Die JEN-Stiftung unterstützt aufgrund der persönlichen Erfahrungen unserer Freundin JENNIFER NITSCH diverse Anti-Stalking Projekte.
Als "Stalker" bezeichnete die Polizei von Los Angeles ursprünglich Fans, die penetrant "ihren" Star verfolgten. Doch nicht nur Prominente werden Opfer unerwünschter Verehrer. Das "wiederholte Belästigen oder Verfolgen einer anderen Person, welches als bedrohlich wahrgenommen werden kann", betrifft mittlerweile immer mehr Privatpersonen.
Stalking: heranpirschen, anschleichen, belästigen, bedrohen, seelische und schließlich körperliche Gewalt anwenden. Der aggressiven Methoden gibt es inzwischen viele: Telefonieren, E-Mail, Fax, Briefe, Päckchen, Zettel, Wohnung oder Arbeitsplatz belauern und aufsuchen u.a.m. Die Konsequenzen kann man sich denken, vor allem für das Opfer. Einzelheiten siehe die Medien, die derlei immer häufiger zum Thema machen.
Oft steht im Zentrum des Wahns ein Prominenter: Schauspieler/in, Politiker, Künstler, Schriftsteller u.a. Der/die Wahnkranke macht sich Hoffnungen, übernimmt entsprechende Annäherungsversuche, wird enttäuscht, kann damit auch zu Verleumdungen und Drohungen, schließlich sogar zu distanzlosen Kontaktaufnahmen oder kriminellen Taten übergehen. Die Heilungsaussichten sind - vor allem unbehandelt - ungünstig. Die Ursachen sind meist schizophrene Psychosen oder wahnhafte Störungen vom Typ des Liebeswahns.
Nicht zuletzt ausgehend von spektakulären Fällen in unserer Zeit (z. B. vor dem Hintergrund des Mordes an der amerikanischen Schauspielerin Rebecca Schäffer durch einen Stalker, 1989) wurde in den letzten Jahren eine Reihe von Gesetzen erlassen, die sich den Belästigungen widmeten und rasch als "Antistalking"-Gesetze bekannt wurden (z. B. Kalifornien 1991, Australien 1993, England und Wales 1997). Ursprünglich rechnete man mit einigen hundert Fällen pro Jahr, kam aber schon nach mehreren Monaten zu einer vielfachen Zahl davon, was die weite Verbreitung dieser problematischen Verhaltensweisen belegt.
Was mit wiederholten unerwünschten Kontaktaufnahmen beginnt, wird häufig schnell zu einem Psychoterror, der das gesamte Privat- und Berufsleben des Opfers einbezieht. Stalker kontrollieren und belagern ihr Opfer per Telefon, per Post, e-mail und sms, scheuen aber häufig auch nicht vor Hausfriedensbruch, sexueller Belästigung, Drohungen und Gewaltakten zurück, um einen Kontakt zu erzwingen.
Auch wenn die Handlungen im Einzelnen häufig keinen konkreten Tatbestand erfüllen - der Dauerterror und die ständige sehr konkrete Bedrohung wirken zermürbend : Zu körperlichen und psychischen Beschwerden wie Schlafproblemen, Angstzuständen und Konzentrationsschwierigkeiten kommt hinzu, dass sich Stalking-Opfer nicht selten gezwungen sehen, ihre gesamte Lebensführung umzustellen, gegebenenfalls den Wohnort und Arbeitsplatz zu wechseln, um ihrem Verfolger endgültig zu entkommen. Und auch wenn das Stalking tatsächlich irgendwann aufhört - für das Opfer ist es schwer, jemals wieder davon loszukommen, ein normales Leben zu führen und unbeschwert Kontakte aufzunehmen.
Da beim Verfolger meistens Zwangsvorstellungen eine Rolle spielen, führen Gespräche nur selten zu einem Ende der Belästigungen. Auch wenn Opfer und Täter sich zuvor nicht kannten, so ist Stalking doch immer eine interpersonelle Beziehung - einige konkrete Verhaltensweisen sollten von Stalking-Opfern daher unbedingt beachtet werden, um den Verfolger nicht noch weiter zu ermutigen. Eine häufige Folge von Stalking ist die Isolation des Opfers - Schuldgefühle und Angst vor Einbezug von Dritten führen meistens dazu, dass Opfer sich erst spät Freunden anvertrauen oder professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Vor allem Männern fällt es schwer, sich und anderen einzugestehen, dass sie von Jemanden psychisch terrorisiert werden und sich hilflos fühlen.
Gefordert sind also Polizei und Rechtsprechung. Und die wiederum hätten gerne konkrete Hinweise zu Definition, Klassifikation, Diagnose, Motiv, psychosozialen Hintergründen, Therapie-Möglichkeiten, Heilungsaussichten u.a. Also ist die Wissenschaft gefragt: die Kriminologen, Soziologen, vor allem aber die Psychologen und zuletzt die Psychiater. Und hier insbesondere die forensische Psychiatrie. Was haben die bisher herausgebracht (das Phänomen an sich ist schließlich so alt wie die Menschheit, auch wenn es in letzter Zeit zu explodieren scheint)?
Stalking - ein schwer fassbares Phänomen, so sonderbar es sich anhört.




